Pinion Smart.Shift auf langen Reisen: Zwei Schwachstellen und mein Riemen-Problem

Erdiger Feldweg mit Zaun und Blick auf die Alpen

Seit September 2025 fahre ich mein M83 Vagabund Iron P12 mit Pinion Smart.Shift und Gates-Riemen. Grundsätzlich bin ich zufrieden. Das Getriebe schaltet sauber, auch im Stand und unter Last, und braucht kaum Pflege. Zwei Dinge an Smart.Shift stören mich aber, vor allem mit Blick auf lange Reisen: das Laden und die fehlende Verbindung zum Radcomputer. Dazu kommt ein Problem, das nicht Pinion zu verantworten hat, sondern mein Aufbau: der Riemen. Pinion-Getriebe laufen genauso mit Kette. Den Riemen habe ich selbst gewählt, weil er weniger Wartung braucht.

Laden nur an der Steckdose

Smart.Shift schaltet elektrisch. Am Rad ohne Motor hängt die Schaltung an einem eigenen Pinion-Akku am oder im Unterrohr. Laut Pinion reicht eine Ladung für über 20.000 Schaltvorgänge oder bis zu 100 Fahrstunden. Das ist ordentlich, eine Woche Bikepacking schafft der Akku locker.

Geladen wird über einen eigenen sechspoligen Stecker mit dem Pinion-Ladegerät, so steht es im Benutzerhandbuch. Einen USB-C-Anschluss gibt es nicht. Wer auf einer langen Tour unabhängig von der Steckdose sein will, findet bei Pinion selbst nur eine Lösung: einen zweiten Pinion-Akku. Der kostet beim Händler rund 100 Euro, hat 25 Wattstunden, wiegt 129 Gramm und taugt nur für die Schaltung. Eine Powerbank mit ähnlicher Kapazität kostet deutlich weniger und lädt nebenbei Handy, Lampe und Garmin. Der Händler verschickt den Akku laut Shop nicht per Luftfracht und damit nicht außerhalb Europas. Ersatz unterwegs wird so schwierig. Einzelne Radhersteller wie Pilot bieten inzwischen ein eigenes USB-Ladegerät an, im Netz gibt es außerdem Bastellösungen. Ob Pinion das bei der Garantie mitträgt, weiß ich nicht, deshalb lasse ich die Finger davon.

Bei einem Getriebe, das ausdrücklich für Reise- und Bikepacking-Räder gedacht ist, hätte ich USB-C erwartet. So bleibt das Laden für mich der größte Haken an Smart.Shift, und für lange Reisen ein echtes Problem.

Keine Verbindung zum Radcomputer

Der zweite Punkt: Am Rad ohne Motor spricht die Schaltung nur Bluetooth mit der Pinion-App, aber kein ANT+, den Funkstandard der Radcomputer. Mein Garmin zeigt deshalb weder den Gang noch den Akkustand an. Ein Hobby-Entwickler hat zwar ein inoffizielles Datenfeld für Garmin gebaut, das über Bluetooth läuft, von Pinion unterstützt ist das aber nicht. Wie ich das versucht habe und woran es scheitert, steht in Pinion Smart.Shift und Garmin. Das Komplettset mit Getriebe kostet beim Händler rund 1.500 Euro. In dieser Preisklasse gehört die Anbindung an gängige Radcomputer für mich einfach dazu.

Mein Riemen-Setup: Riss nach rund 2.000 Kilometern

Im Januar riss mir auf einer Wintertour bei Kilometer 70 der Carbon-Riemen. Da hatte das Rad rund 2.000 Kilometer drauf. Ich hatte mich für den Riemen entschieden, weil er kaum Pflege braucht. Dass er so früh reißen könnte, hatte ich nicht auf dem Schirm. Sieben Kilometer bin ich danach im Laufrad-Modus weiter, bis meine Frau mich abgeholt hat.

Normal ist das nicht. Der Radhersteller Tern nennt für einen gepflegten Riemen bis zu 30.000 Kilometer, je nach Spannung, Belastung und Bedingungen. Typische Ursachen für frühe Risse sind laut Gates Knicke, die beim Einbau oder Transport entstehen und von außen nicht zu sehen sind, zu wenig Spannung und Steinchen zwischen Riemen und Riemenscheibe. Vielleicht hatte ich einfach Pech. Im Matsch ist mir der neue Riemen später noch einmal heruntergesprungen, weil sich Lehm in die Zähne gesetzt hatte (Zeitreise im Morast).

Riemen auf einer Weltreise?

Hier wird es grundsätzlich. Eine Kette bekommst du fast überall, wo es einen Fahrradladen gibt, notfalls eine einfache. Einen passenden Gates-Riemen in der richtigen Länge nicht. In Mitteleuropa ist das kein Problem, der Händler bestellt ihn in wenigen Tagen. Weiter weg wird es schwierig. Hersteller von Reiserädern mit Riemen raten deshalb, einen Ersatzriemen mitzunehmen, und schicken im Notfall einen per Kurier hinterher. Vivente berichtet von einer Lieferung nach Malaysia, die rund eine Woche gedauert hat.

Den Ersatzriemen kann man aber nicht einfach in die Tasche stopfen wie ein Kettenschloss. Er darf nicht geknickt, verdreht oder zu eng gebogen werden, sonst brechen die Carbonfasern im Inneren, ohne dass man es sieht. Er braucht also einen festen Platz, am besten in der Originalverpackung. Und wer ihn wechselt, muss den Hinterbau am Rahmen öffnen. Ein Kettenschloss ist schneller getauscht.

Der Ausweg liegt deshalb beim Aufbau, nicht beim Getriebe: Pinion lässt sich genauso mit Kette fahren, Pinion bietet dafür einen eigenen Kettenspanner an. Dann bleibt das wartungsarme Getriebe, und Ersatz gibt es wieder überall.

Mein Zwischenstand

Für Touren in Deutschland und den Alpen bleibe ich beim Pinion mit Riemen. Es ist sauber, leise und fast wartungsfrei. Für eine Reise über Monate fern von Europa würde ich heute eher eine Kette nehmen, mindestens aber einen Ersatzriemen und das Ladegerät einpacken. Und an Pinion: Gebt dem Smart.Shift-Akku bitte einen USB-C-Anschluss und der Schaltung ANT+.

Schlagworte BikepackingM83 Vagabund Iron P12PinionRiemenantrieb

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